Kramer: "Krieg ist nicht Gottes Wille!"

Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer
epd-bild/Heike Lyding
Landesbischof Friedrich Kramer sieht den 8. Mai auch als einen "Tag des Erinnerns an den Friedensauftrag der Kirche".
Friedensbeauftragter zum 8. Mai
Kramer: "Krieg ist nicht Gottes Wille!"
In einem Grußwort für die Festkundgebung auf dem Jungfernstieg in Hamburg bezeichnet Landesbischof Friedrich Kramer den 8. Mai als einen Tag der Befreiung nicht nur für die, die unter dem NS-System und dem Krieg gelitten haben.

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Friedrich Kramer, erinnert am 8. Mai an den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der im Bundestag diesen Tag als Befreiung vom Faschismus und vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft würdigte. 

Doch der 8. Mai sei auch ein Tag des Erinnerns an den Friedensauftrag der Kirche, mahnt Landesbischof Friedrich Kramer. "Und so wird er hoffentlich eines nicht so fernen Tages für alle Menschen dieser Erde zu einem Friedens- und Feiertag. Wir Christinnen und Christen sind aufgefordert, überall daran mitzuhelfen und über alle Grenzen von Nation und Religion hinweg all denen die Hand zu reichen, die mit uns den Frieden suchen", so der EKD-Friedensbeauftragte in seinem Grußwort in Hamburg.

Die Welt braucht Liebe, nicht Gewalt

Landesbischof Friedrich Kramer verweist darauf, dass unter dem Eindruck der Schrecken des Zweiten Weltkriegs die Erste Kirchenkonferenz der EKD 1948 betont hätte, dass Krieg kein Mittel der Politik sein dürfe und deutlich gemacht: "Auf der Gewalt ruht kein Segen, und Kriege führen nur tiefer in Bitterkeit, Hass, Elend und Verwahrlosung hinein. Die Welt braucht Liebe, nicht Gewalt. Sie braucht Frieden, nicht Krieg."

Worte, die aktueller seien denn je angesichts der schrecklichen Kriege in der Welt, mahnt der EKD-Friedensbeauftragte. "Und gerade wir Deutschen haben angesichts unserer Geschichte eine besondere Verantwortung für den Frieden. Es ist unsere Aufgabe, nie wieder zuzulassen, dass sich ein Ungeist, der so viel Leid in der Welt verursacht hat, nochmals wiederholt. Gerade in einer Zeit, in der versucht wird, die NS-Verbrechen zu verharmlosen und zu relativieren", unterstreicht Landesbischof Friedrich Kramer.



Es sei an der Zeit, den Krieg als Geißel der Menschheit zu besiegen. "Gerade in der jetzigen Zeit mag das utopisch klingen. Aber Frieden ist möglich – jederzeit. Wir müssen dazu Gott die Ehre geben, uns nach Gottes Gebot und in Jesu Nachfolge bewegen. Dann wird Frieden geschehen. Und der 8. Mai ist angesichts der vielen unschuldigen Opfer des Zweiten Weltkriegs sicher ein guter Anlass, daran zu erinnern", betont der EKD-Friedensbeauftragte und unterstreicht: "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!"

Am 8. Mai jährt sich zum 79. Mal der Tag, an dem die bedingungslose Kapitulation aller Wehrmachtsteile (Marine, Heer, Luftwaffe) in Kraft trat und der 2. Weltkrieg in Europa beendete wurde. Durch seinen symbolischen Charakter kommen ihm unterschiedliche Bedeutungen zu. Für die einen ist es der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, für andere noch immer der Tag der Kapitulation und der deutschen Niederlage.